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23.10.13

Von altem Eisen

Man ist verwundert, wie groß die Verwunderung jetzt ist. Wo man seit Jahren weiß, dass etwa ein Drittel der ÖsterreicherInnen offen antixenoid ist oder kein Problem damit hat, dass andere für sie offen fremdenfeindlich sind, sind alle ganz aus dem Häuschen, dass 6% der Wahlberechtigten keinen Hehl mehr daraus zu machen versuchen, dass sie Vollidioten sind.
Denn wofür ist eine Proteststimme für Frank Stronach denn sonst gut gewesen, außer um zu zeigen, dass Mitsprache weder Alphabetisierung noch Kompetenz vorraussetzt? Die lächerlichen Ausreden der sich selbst überrascht als Wahlverlierer Sehenden, dass man ja eine neue Partei sei, die noch viel lernen müsse, wird nicht einmal im scheinbaren Qualitätsjournalismus der Tatsache entgegengestellt, dass doch die meisten Parteimitglieder aus anderen, schon lang existierenden Parteien eingekauft wurden – ja, wenn der dement scheinende Anführer diese feindliche Übernahme denn nicht gemacht hat, um Softskills einzukaufen – welche Optionen bleiben?
Am besten kann diese Farce an der Figur der Monika Lindner präsentiert werden. Selbige ließ sich zu einer Kandidatur für das Team Stronach aufstellen, um dann einen parteiinternen Konflikt (ein eingekaufter Kollege nannte sie Speerspitze gegen das Etablissement, so einen Vertrauensbruch [sic!] konnte die ehemalige ORF-Chefin unmöglich auf sich sitzen lassen) ohne parteiinterne Kommunikation durch einen Austritt zu deeskalieren. Rein rechtlich, so sagt man, war jedoch nicht mehr möglich, Lindners Namen aus der Wahlkabine zu entfernen. So blieb sie auf dem Stimmzettel, und rutschte, eine reine Formsache, ins Parlament.
Nur, dass sie jetzt dann eben von ihrem Rücktritt zurücktritt, und als Wilde Abgeordnete in den Nationalrat einziehen wird. Auf die Frage Armin Wolfs, wer sie denn überhaupt gewählt hätte, meint sie, dass ihr Name doch auf dem Wahlzettel stand. Aber sie hat doch klar gesagt, sie werde nicht antreten. Bla. Im Interview steckt die Dame die Finger in die Ohren und schreit, bis die 10 Minuten um sind. Wünscht man sich, wenn man gesehen hat, was sie tatsächlich sagt.
Und ja, sie sagt eben Dinge wie "Ehrenamtliche Arbeit wird nicht ernst genommen, deswegen kann ich auf mein Gehalt als freie Abgeordnete nicht verzichten".
Ich verstehe die Aufregung nicht. Ich finde, Lindners Leitbild passt perfekt in das Team Stronach, und sie wird die Werte der reichen weißen Männer würdig vertreten, wenn dann endlich die Todesstrafe für Berufskiller eingeführt wird, oder die Berufspolitiker alle aus der Politik raus sind.
Und das ist letztlich was sechs Prozent der ÖsterreicherInnen wollen. Mehr Golfplätze, weniger Geld für das Gemeinwohl und weniger Nachdenken, bevor man etwas sagt.

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