dusty dawn in downtown distopia

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1.9.09

Bruno

Gestern habe ich mich dann doch dazu hinreißen lassen, Borat 2 anzusehen.
Es war eine Enttäuschung, wie erwartet.
Grundsätzlich scheitert der Film an zwei Dingen:
Erstens: Durch die bessere Produktion (im Vergleich zu Borat) sieht er einfach oft gestellt aus. Es sind Kameras an Orten, wo sie nur durch Absprache hinkommen konnten, sie sind immer am Puls, nie daneben, es wirkt durchchoreographiert. Das geht soweit, dass in einer Szene, in der telefoniert wird, sowohl eine Kamera am einen, wie am anderen Ende der Leitung filmt. Gerade, dass das Bild nicht 24-typisch aufgeteilt wird. Dadurch geht so viel verloren. Gerade überraschte "Zivilisten" verlieren dadurch fast komplett ihre Wirkung, wenn man ihnen nämlich nicht abnehmen kann, dass sie nicht eingeweiht sind. Es ist nicht so schlimm wie das, was deutsche Privatsender ablassen, aber es reicht nicht. Es gab in Borat auch Momente, wo man sich denkt, dass dies oder jenes inszeniert sein muss, aber es sind Ausnahmen. In Bruno ist das Verhältnis zumindest umgekehrt, wenn nicht sogar noch schlimmer.

Das zweite Problem, dass sich für mich ergab und vielleicht nur für Leute eines ist, die Deutsch sprechen:
Borat sprach in den Szenen, wo er sich mit seinem "Regisseur" unterhielt, hebräisch. Ich spreche Hebräisch nicht. Wenn mir jemand sagt, dass das Kasachisch sein soll, glaub ich das. Es ist mir auch egal, ich spreche Kasachisch genausowenig. Es kann gut sein, dass das aber nicht einmal Hebräisch war, sondern nur irgendwelche Wortfetzen, die sowieso niemand versteht. Oder Isländisch. Was auch immer: ich verstehe es nicht, und dadurch funktioniert für mich die Figur Borat, die eine Muttersprache hat, die ich nicht verstehe.
Bruno hingegen ist Österreicher, und spricht Deutsch mit seinen Assistenten. Nur spricht er eben unglaublich schlechtes Deutsch. Aber nicht nur er, sondern auch seine Assistenten haben den Googletranslator gezückt. Während jedem Dialog merke ich, dass Bruno eben nicht Deutsch als Muttersprache hat. Das nimmt dem Charakter viel Glaubwürdigkeit, die durch Stunts nicht aufgeholt werden kann.
Jedoch leben beide Filme eben von der zentralen Figur, die mit Leuten interagiert, sie provoziert und dadurch Engstirnigkeit und Ressentiments entlarvt. Wenn _ich_ Cohen den Charakter Bruno nicht abnehme, ist ein großer Teil des Films zunichte gemacht. Wenn ich jedoch dann auch den Leuten, die auf die Schaufel genommen werden nicht abnehmen kann, dass sie Cohen Bruno abnehmen*, bleibt nur noch wenig: ein paar politisch inkorrekte Witze, Slapstick und Genitalien - eben das, was bei Borat nur das Grundgerüst war, auf dem alles aufgebaut war.

*Es gab zwei Szenen, die mir jetzt als Ausnahme noch im Gedächtnis geblieben sind, wo Bruno als Charakter funktioniert hat. Das war bei der Interaktion mit Sicherheitskräften, sei es am Anfang bei den Catwalkevents oder am Ende der Talkshow, und beim Finale in der Arena - wo Klappstühle geworfen werden, fühlen sich Emotionen einfach weniger gespielt an.

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