dusty dawn in downtown distopia

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23.10.13

Von altem Eisen

Man ist verwundert, wie groß die Verwunderung jetzt ist. Wo man seit Jahren weiß, dass etwa ein Drittel der ÖsterreicherInnen offen antixenoid ist oder kein Problem damit hat, dass andere für sie offen fremdenfeindlich sind, sind alle ganz aus dem Häuschen, dass 6% der Wahlberechtigten keinen Hehl mehr daraus zu machen versuchen, dass sie Vollidioten sind.
Denn wofür ist eine Proteststimme für Frank Stronach denn sonst gut gewesen, außer um zu zeigen, dass Mitsprache weder Alphabetisierung noch Kompetenz vorraussetzt? Die lächerlichen Ausreden der sich selbst überrascht als Wahlverlierer Sehenden, dass man ja eine neue Partei sei, die noch viel lernen müsse, wird nicht einmal im scheinbaren Qualitätsjournalismus der Tatsache entgegengestellt, dass doch die meisten Parteimitglieder aus anderen, schon lang existierenden Parteien eingekauft wurden – ja, wenn der dement scheinende Anführer diese feindliche Übernahme denn nicht gemacht hat, um Softskills einzukaufen – welche Optionen bleiben?
Am besten kann diese Farce an der Figur der Monika Lindner präsentiert werden. Selbige ließ sich zu einer Kandidatur für das Team Stronach aufstellen, um dann einen parteiinternen Konflikt (ein eingekaufter Kollege nannte sie Speerspitze gegen das Etablissement, so einen Vertrauensbruch [sic!] konnte die ehemalige ORF-Chefin unmöglich auf sich sitzen lassen) ohne parteiinterne Kommunikation durch einen Austritt zu deeskalieren. Rein rechtlich, so sagt man, war jedoch nicht mehr möglich, Lindners Namen aus der Wahlkabine zu entfernen. So blieb sie auf dem Stimmzettel, und rutschte, eine reine Formsache, ins Parlament.
Nur, dass sie jetzt dann eben von ihrem Rücktritt zurücktritt, und als Wilde Abgeordnete in den Nationalrat einziehen wird. Auf die Frage Armin Wolfs, wer sie denn überhaupt gewählt hätte, meint sie, dass ihr Name doch auf dem Wahlzettel stand. Aber sie hat doch klar gesagt, sie werde nicht antreten. Bla. Im Interview steckt die Dame die Finger in die Ohren und schreit, bis die 10 Minuten um sind. Wünscht man sich, wenn man gesehen hat, was sie tatsächlich sagt.
Und ja, sie sagt eben Dinge wie "Ehrenamtliche Arbeit wird nicht ernst genommen, deswegen kann ich auf mein Gehalt als freie Abgeordnete nicht verzichten".
Ich verstehe die Aufregung nicht. Ich finde, Lindners Leitbild passt perfekt in das Team Stronach, und sie wird die Werte der reichen weißen Männer würdig vertreten, wenn dann endlich die Todesstrafe für Berufskiller eingeführt wird, oder die Berufspolitiker alle aus der Politik raus sind.
Und das ist letztlich was sechs Prozent der ÖsterreicherInnen wollen. Mehr Golfplätze, weniger Geld für das Gemeinwohl und weniger Nachdenken, bevor man etwas sagt.

3.7.13

Dayly.

http://text.derstandard.at/1371171379533/Experte-Sonntag-haette-Dayli-Chance-gegeben

Die mangelnde Sonntagsöffnung habe Dayli das Genick gebrochen, meint ein Mann im Radio: Unternehmensberater Andreas Kreutzer.
Die Politik sei mitverantwortlich, weil sie ein Sonntagsöffnungskonzept nicht genehmigt hätte.

Gut, dass es nichts damit zu tun hatte, dass Dayli-Vorgänger Schlecker schon boykottiert wurde, weil er die Angestellten frech bis illegal behandelte, eine Auswahl hatte wie ein Ostberliner Späti am Sonntag vor dem Mauerfall, dass das Rebranding daran nichts geändert hat, und dass dadurch niemand, der einen Schlecker nicht betreten hätte, einen Dayli betrat. Aber Hätte man am Sonntag auch Gelegenheit zum Boykott gehabt: persönlich hätte ich diese Gelegenheit genutzt, da muss ich dem Unternehmensberater Recht geben.

Also hätte auch die Rettung von Schlecker nur mit juristischen Grauzonen und Augenzudrücken funktioniert, so wie anscheinend auch der Betrieb nur so geklappt hatte.

9.5.13

An fester Hand geht es auch durch dunkle Wälder – Fräulein Hona im Fluc

An fester Hand geht es auch durch dunkle Wälder.
Fräulein Hona im Fluc, 7.5.2013

Nach ewigem Versetzen und Terminkomplikationen konnte ich endlich einmal Kerstins Einladung zu einem Auftritt ihrer Band Fräulein Hona nachkommen.
Und wowy wow.

Nimm Azure Ray und nimm die Schwere raus und ergänze sie mit (noch mehr) Harmonie. Das Quartett mit dem dreizehn Instrumenten, die sie immer wieder tauschen, was nur noch mehr Harmonie vermittelt, und dem Erlebnis eine voll schöne Dynamik gibt. Die Songs erwähnen eine Sehnsucht, und stillen sie im selben Atemzug. Fühlt sich gut an, die Tiefen, in die sich Indiemucke gerne fallen lässt, mit einem Fallschirm zu wagen.

Sehr gern spielen sie akustisch, meinen sie, und tatsächlich, für die letzte Nummer steigen sie avec instruments ins Publikum herab, und spielen mit Bent Arrows, die davor gespielt hatten, erst eine ihrer Nummern als Zugabe, und dann eine der eigenen.

Der nächste Auftritt von Fräulein Hona ist am 7. Juni 2013 im Subterrarium und das erste Album soll im Herbst erscheinen.

Ich hoffe, sie treten bis dahin oft genug auf, damit man die Zeit bis dahin besser erträgt.

Bis 7. Juni muss eben unter anderem dieses Video herhalten. ♥

18.4.13

"Minority Report" Kurzreview

Nun, vielleicht ein bisschen spät dran. Aber hier, was ich von Minority Report halte.

Weil von Tom Cruise verkörperte Charaktere leider nicht sehr viel mehr im Hirn haben als der Schauspieler dahinter, müssen auf lächerliches Niveau runtergedummte Antagonisten herhalten, damit John ihnen auch wirklich immer in letzter Sekunde entkommen kann. Alles scheint nur auf eines ausgerichtet: den Hauptdarsteller cool und lässig dastehen zu lassen, koste es, was es wolle. Um das zu erreichen, muss man eben alle in seiner Umgebung unsympathischer scheinen lassen, und ihn dann mit übernatürlichen Kräften und einer unglaubwürdigen Portion Glück ausstatten, damit er es wenigstens dann schafft. Die Actionsequenzen versprühen einen Duft von Slapstick und Indiana Jones, doch es scheint, sie nehmen sich dabei selbst so ernst wie Cruise seinen Kirchenverein, was letztlich zu unfreiwillig unkomischen bis peinlichen Proletenauflachern im Kinosaal führen soll, aber echt nur stört. Das ist sehr schade, denn die Story hätte so unglaublich viel Potenzial. Leider lenken die geschleimten Frisuren, die Blendeneffekte und die Star-Wars-Prequel-artigen Verfolgungsjagden immer wieder davon ab.

Minority Report ist ein guter Thriller, aber ein scheiß Actionfilm.

Positiv zu erwähnen ist die, bis auf wenige Ausnahmen, extrem glaubhafte Gestaltung der futuristischen Welt, auch wenn manche Elemente ihren Sinn nur im Panem et Circenses der Special Effects haben. Dadurch ergeben sich manchmal nicht nachvollziehbare Inkonsistenzen. Öffentlicher Verkehr ist total personalisiert, aber es gibt noch persönliche Verkehrsmittel, und die werden in Serie hergestellt, obwohl sie wohl eher Luxusgüter sind, und sie sind nicht verfolgbar, anscheinend gibt es keine Planquadrate im Überwachungsstaat. Wiederum ein Beispiel dafür, wie man den depperten Protagonisten ein bisschen helfen muss, damit sie nicht vor dem Ziel tot umfallen.

Der Rest, Storytelling und so, echt fein. Die Twists sind glaubwürdig und nicht vorhersehbar, aber herleitbar – die Zuschauerin ist hier gleichberechtigte Detektivin und der Schluss lässt sich Holmesisch kombinieren. Diese Logik und Weltbasiertheit setzt bei den Actionsequenzen, wie gesagt, leider völlig aus.

Manchmal überschneidet sich das jedoch, wenn etwa ein visueller Stil, kombiniert mit charakterlichen Überzeichnungen, die beide an Terry Gilliam erinnern sollen, versucht werden, und dann auch wieder unfreiwillig peinlich wirkt.

Schade.

27.3.13

vielen Dank,

»Sehr geehrter Herr fabbaz!

Vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an                                       !

Nach sorgfältiger Durchsicht Ihrer Bewerbung müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Sie bei der Besetzung diese Position nicht berücksichtigen können.

Falls von Ihrer Seite aus weiteres Interesse an einer Tätigkeit bei                                         besteht, dürfen wir Sie darauf hinweisen […] nach erfolgter Registrierung die Möglichkeit haben, Ihre Bewerbungsdaten und Ihr Qualifikationsprofil einzutragen. Unter demselben Login können Sie Ihre Bewerbungsdaten und Ihr Qualifikationsprofil adaptieren.

Wir möchten Sie auch darauf aufmerksam machen, dass über das Job Center von                                         laufend neue Positionen ausgeschrieben sind und Sie sich über Ihr Login zum Job Center jederzeit auf entsprechenden Angebote bewerben können.

Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihren beruflichen Werdegang und würden uns freuen, wenn Ihr Interesse an                                        weiterhin aufrecht bleibt.

Freundliche Grüße,
                                     
Team Job Center                                     "«

––––
»Sehr geehrter Herr                   ,

vielen Dank für Ihre negative Mitteilung.

Nach reichlicher Überlegung und erneuter Evaluierung muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich Ihre Absage nicht für meine Bewerbung berücksichtigen kann.

Obwohl Sie sich sehr bemüht haben, meine Fähigkeiten nicht anzuerkennen, bin ich für die ausgeschriebene Stelle noch immer hervorragend geeignet. Daher erwarte ich eine baldige Einladung zum Bewerbungsgespräch (nächste Woche Montag wäre gut, bitte Sojamilch für den Kaffee vorbereiten) und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren weiteren Absagen,

Beste Grüße,
fabbaz«

18.3.13

the google reader wake up call

as those who care, few enough, already noticed, google dropped what little and big support of rss they ever had - the never officially implemented rss-feature for chrome has been discontinued (little) and google reader will be closed (big) (and apple joined the rss-bashing fun). as some have noted, this is a great opportunity to realize that relying on a single provider for services is not a good idea. for me personally this means that i want to get away from google services altogether, even though for many of them i've been a happy early adopter and frequent user.
but seriously, i got rid of facebook without a hassle (thanks not only to sean's wake up calls), so why should it be hard to get rid of google?

well, because googles services used to be very, very convenient. they used to be - and some still are - the best available. google has what might be the biggest database of user and usage data, and more often than not they were able to use this for best possible user experiences. and, contrary to facebook, they many times succeeded, even if the products were at one point cancelled because they were not right for their time or simply didn't make a dent big enough to create a new market niche - wave, for example, was an awesome product, but most people didn't get what to do with it - or didn't bother to try. whereas facebook of course has at least the same relative amount of usage data for their own site, but managed to - in peoples perception - fuck up every feature and any update at any given moment. this might have been because facebook was never really that good hiding their company-shareholder-profitability-agenda on the one hand, and maybe because the average facebook user isn't a technically inclined person. facebook users weren't early adopters, they always were peer pressured or update-forced to updates or certain usage models. seriously, facebook is like some stupid drug, everybody hates it, nobody is happy using it, nobody originally wanted to start using it but finally caved in because they wanted to be cool in front of their friends ("mum! you NEED to use facebook! otherwise you will NEVER see your son that lives on the other side of the world, because it is far too big a hassle to email you messages and photographs like some neanderthal!"). this is how social online networks work: build a wall, get everybody in. the business model is a shady one of the likes of coca-cola and nestlé, where stuff you already had is suddenly worth something and that is why you have to push lab rat buttons in order to get it from now on. and it is why, so far, they all failed sooner or later, because at the end they could not offer all of the open webs features inside of their restrictive little ecosystem. myspace was a horrible blog-service, let's not talk about AOL, geocities was a horrible music service, and ping was a horrible news aggregator.
so: facebook is a somewhat okayish news aggregator, because it relies on your connected profiles or "friends" to fill you front page with content. since the people you contact most are preferred in the front page filling hierarchy, the content you see is content you are most likely interested in (thus creating/amplifying what is known as filter bubble).
and facebook does for many what blogs couldn't do for them, it is an easy way to build your public persona and present yourself to your social audience, present what music you like by sharing youtube links, what causes you think important by sharing news site links, et cetera, up to organizing events.
but all of has a wall that is the facebook login. this us/them dichotomy is necessary because social networks want and need your data and usage information - and of course, user information as well. you pay with your input, and gain access to the content that you can not have without giving your data to the network. but, to stretch the nutrition analogy from before, the price you pay is nestlé and coca-cola defecating in your once clean well.

and all of that is true not only for facebook, but for any social network, google+, (orkut - are there any others still on the market? who cares.)

of course: you could just not give a fuck about the network and instead use open technology. you could for example use a self hosted site or blog instead of a wall. (or you could fragment your info to different services so that one breaking down won't kill all of your online persona - a way i chose, for now, using a self hosted minimal website, tumblr site for sharing and a google hosted (HNNNNNNNGGGGG) blog for blogging.(you didn't need to click that. thanks, anyway.)) you could visit other peoples sites and blogs instead of their pages to see what they care about.

and, as jan once posted (a wake up call for me too), rss is the open key to this. (well, so it was actually a reference to this post here) with rss you don't need to manually visit all of your friends web sites, you just subscribe to them, without any "they are my friend" bullshit. you can even subscribe to people that you hate! you could for example, subscribe to the mpaa's updates and news releases without "like"ing them! how awesome is that?
and you can offer your content, as minimal as it may seem, effortlessly as rss feed for others to subscribe.

that is why rss had to go. because it is a way to break in to google+'s wall. to break into googles wall - which of course hasn't been there forever. before google started g+, it had no interest in disabling alternatives. now it has. and that sucks ass.
that is why i do not want to use google services any longer.
yes, they are convenient. and yes, alternatives will have downsides. and i am not advocating not to use any convenient web service at all, but i think this is a good moment to think about the services i use and to consider alternatives to the one i might actually not want to use - or support - anymore.

as for rss: jan supports and uses tiny tiny rss+gritttt-rss, a self hosted service which sounds really awesome. i can see myself upgrading to a server provider that supports it in the near future.

so, back to firefox it is.

3.1.13

Gedanken zur Vernichtung des Refugeecamps im Sigmund-Freud-Park am 28.12.2012


"Die Landespolizeidirektion Wien trifft für sich selbst diese Entscheidung, nämlich auch diese Räumung vorzunehmen, um weitere Missstände, und weitere- um das zu vermeiden, dass weitere Rechtsnormen gebrochen werden, nehmen wir jetzt diese Zelte mit. Diese ganzen Zelte, Gerätschaften und so weiter, die werden 'gesichert', und kommen, äh, auf, äh, einen Lagerplatz, der Strafbehörde, der zuständigen, vom Magistrat der Stadt Wien, denn diese sind auch dann, sofern sich ein Besitzer dort meldet, zuständig für die Wiederausfolgung"^1

Sofern.

Es wird sich wohl niemand mehr um die Trümmer scheren, die die Polizeibeamten hinterließen, als sie den Ärmsten das Privateigentum lachend zerstörten. Die Videoaufnahmen zeigen Exekutivbeamte, die Zeltplanen zerreißen, eines Baggers Greifarm macht aus Campingmöbeln Sperrmüll, Zeltstangen und Bierbänke werden herumgeschmissen.

Der Wiener Weihnachtsgeist heult sein Amstettner Kellerlied, als die Beamten, wie ihr Sprecher mitteilt, selbst entschieden mal lieber alles platt zu machen. Dass Hilfsorganisationen wie die Caritas die Forderungen der Opfer des Missbrauchs des Gewaltmonopols unterstützen, das könnte ein Indiz dafür geben, dass man karmamäßig nicht so ganz auf der richtigen Seite kämpft. Dass Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk das Camp als eine politische Versammlung einstuft, und deren Räumung durch die Polizei für "mehr als kühn" hält, und meint, dass den Flüchtlingen das Versammlungsrecht nicht gewährt worden war, könnte ebenfalls ein sanfter Hinweis sein.^2 Dass die Polizei die Versammlung zuvor nicht untersagt hatte, macht das ganze noch pikanter.

Als Demonstration und aus Protest gingen am 24.11. Flüchtlinge zu Fuß vom Traiskirchner Flüchtlingslager nach Wien, wo sie auf der Wiese des Sigmund-Freud-Parks das "Refugeecamp" errichteten, um ihre Forderungen zu unterstreichen. Diese reichen von einer Erhöhung des Monatstaschengelds (derzeit 40 €), über den Austausch von Dolmetschern, die bewusst zu Ungunsten der Flüchtlinge falsch übersetzt haben sollen, bis zu dem Erlass von Gerichtsgebühren bei Negativbescheiden und dem Stopp der Abschiebung - teilweise wirken sie fast schon utopisch, wie etwa die Forderung nach Anspruch auf ein 3-Tage-Ticket für den öffentlichen Verkehr, um "das Land, die Menschen, deren Leben" kennenlernen zu können (hm, sicher um sich dann schlechter zu integrieren!), andere, wie der Zugang von Kindern zu lokalen Schulen, mehr ÄrztInnen, überraschen eher dadurch, dass sie gefordert werden müssen.^3 Obdachlose solidarisierten sich mit den Flüchtlingen und wohnten ebenfalls für wenige Wochen in den Zelten.

Die Tschuschen sollen ihre Medikamente in den Trümmern zurücklassen, haben doch sowieso keine Gesundenversicherung. Die Sandler brauchen ihre Töpfe und Gaskocher nicht, haben eh nichts zum Kochen. In Österreich wissen andere immer besser, wie man zu leben hat. Ein Polizist wird als Zivilfahnder gegen Landstreicher eingesetzt. Denn wer auf seine Sorgen aufmerksam macht, der macht anderen Kummer. Und wer sich einen Lebensstandard nicht leisten kann, dem wird genommen, woran er sich noch klammern kann. Zum Jahreswechsel findet die Exekutive nonverbal sehr viel deutlichere Worte als des Bundespräsidenten. Willkommen seid ihr woanders, und Menschenrechte sind mühsam.


^1 Leiter der Pressestelle der Bundespolizeidirektion Wien, Johann Golob, Büro für Informationsdienst, am 28.12. zur Vernichtung des Refugeecamps. https://www.youtube.com/watch?v=XHSQo1yQFN4
^2 http://text.derstandard.at/1356426617661/Campraeumung-hoechst-bedenklich
^3 http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121122_OTS0242/we-demand-our-rights-hunderte-fluechtlinge-demonstrieren-von-traiskirchen-nach-wien-fuer-menschenwuerdige-lebensbedingungen (Bildnachweis: https://www.youtube.com/watch?v=XHSQo1yQFN4)

16.10.11

Brikett — Lesung




Zum Auftakt regelmäßig stattfindender Lesungen im mo.ë präsentieren vier Autor_innen einen Ausschnitt ihrer Arbeit: Theodora Bauer, Fabian Bazant-Hegemark, Lydia Gschosmann und Christoph Hoffmann.

10.10.11

Karottenkuchen

Heute schaue ich mir eine WG in der Nähe an. Um bei der wahrscheinlich recht unpersönlichen WG-Begehung hervorzustechen, habe ich mir gedacht, dass ich einen Kuchen mitbringe. Ich habe also vorhin eben diesen Kuchen hergestellt, und muss sagen:
Holy. Fuckaroo.
Das sollte eigentlich sogar eine Mietpreissenkung geben.

Vegan carrot cake

Als Eiersatz habe ich Leinsamen genommen: das funktioniert so, dass man die kurz köcheln lässt, um das Eiweiß aufzuplanckquriwieren. Ein EL geschrotete Leinsamen mit drei EL Wasser ergibt ein "Ei". Den Tipp habe ich hier gefunden.

Weil ich keine noncreamcheesecreamcheese zur Verfügung hatte, habe ich einfach Staubzucker benutzt.

Durch das Aufschneiden konnte ich gut kaschieren, dass zwei Stück fehlen. Om nom nom.



Passive Attack und Mother's Cake

Gestern spielten Passive Attack, deren Schlagzeuger Simon seit Jahren kenne, und Mother's Cake, von denen ich noch nicht gehört hatte, die aber anscheinend schon den einen oder anderen Preis machen konnten, im B72 in Wien.

Audible Orgasm.

Ich war von beiden Bands beeindruckt. Von Mothers Cake gibt es hier einen Livemitschnitt von einem anderen Auftritt, gestern haben auch ein paar Leute mitgefilmt, sofern ich das finde sollte, wird es verlinkt. Innerhalb der ersten 3 Lieder rissen gleich mal zwei Gitarrensaiten, was Schlagzeuger und Bassist gleich mal für eine Showeinlage nutzten. Well done.

Passiv Attack waren genauso super. Ich würde das gerne auch zeigen, aber ich finde, dass die myspace/facebook-Tracks die Qualität des gestrigen Abends nicht wiedergeben, weshalb ich das nicht verlinken möchte: man kann die Band jedenfalls am 27. 10. im Filmcasino wieder hören, wo sie den Soundtrack für Kendrick bei dessen Premiere präsentieren.

Sollte man nicht verpassen, wenn man wissen will, was Österreich an progressive zu bieten hat.

8.10.11

Stillstand und Antistillstand

rrroar by theclosing

Caribou - One Night With Sun (Remix Lukas Kalmar) by lukaskalmar

Wien ist eine bemerkenswerte Stadt. Besonders bemerkenswert – und vor allem, bemerkbar – ist die wohl aus der Walzertradition kommenden Tanzunlust in den meisten Plätzen und Lokalitäten. Viele Menschen scheinen einen Club nicht von einem Restaurant unterscheiden zu können, und stehen herum, als warteten sie darauf, dass endlich ein Tisch frei wird. Die kritische Masse der „meh, da tanzt niemand dann tanz ich auch nicht“ wird nie unterschritten, und allerorts ist das einzige, was sich bewegt, das schwarze Loch der Unlust, das alle Muskeln fest verschnürt in Zaum hält. Um so ambitionierter muss man sein, um den Ereignishorizont zu durchbrechen und sich, allen anderen peinlicher Dorn im werktätigkeitsermüdeten Auge, die Bühne und Plattform zu schaffen, die es braucht, nicht wie ein Stein umzufallen und auf der Stelle einzuschlafen. Hat die ambitionierte Person sich schließlich im Auge der Anderen vollends zum Sonderling blamiert, merken sie vielleicht irgendwann, dass das hier keine Performance ist. Es ist Notwendigkeit. Es ist der Schrei der durchdachten Unvernunft, der in die Welt kam, die Schreie der Bargesprächsversuche bei 95+ dB zu übertönen. Fuck the new Biedermeier.

First they ignore you. Then they ridicule you. Then they dance.

7.10.11

und meine seele spannte weit ihre flügel aus



Zum ersten Mal seit – ja seit wann eigentlich? Christians Diplomfeier muss es gewesen sein – bis zur Schuhzerstörung durchgetanzt. Nach Aggregatzustandsänderung nach Hause, zu wenig geschlafen, dann mit Frühstück bewaffnet wieder ins moë.
Die Radwege sind so leergefegt wie die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer. Winter kommt. Ich kam jedoch trockener im moë an als ein paar Stunden zuvor zu Hause.
Es fühlt sich an, als habe ich zwischen Hafen und Goldschmiede eine zweite Heimat gefunden, ein Ort, den man tatsächlich nicht verlassen möchte, sofern man nicht bei periapokalyptischen Regenwetter den Pullover zu Hause vergessen hätte, weshalb ich verfroren die Dinge sortierte, die zu sortieren waren. So viel maschingetippt im September, der nächste Schritt ist die digitale Revision und dann: die Kurzgeschichte. Der Plan ist, etwas nicht zuletzt einem selbst Vorzeigbares aus den schon so vielen geflossenen Energien zu produzieren, dass dann bei der Fokussierung auf den Roman helfen kann. Ich habe beschlossen, den Arbeitstitel nicht länger geheim zu halten. Dieser lautet Loslassenangst. Bis Ende November wird die Kurzgeschichte fertig sein.

4.10.11

anti-minecraft anti-pokemon


they evolve until they are demons.

1.10.11

ich weiß.



In Wirklichkeit habe ich gewusst, dass das kommt. Dass sie es gesagt hat und nicht ich, ändert nichts an den Monaten des Versuchens. Ändert nichts an der kommenden Einsamkeit. Wenn der andere stirbt, dann hat das automatisch so eine Endgültigkeit. Es hat vielleicht das Gespräch gebraucht, um diese Endgültigkeit hineinzubringen. „Ich weiß“. „Ich weiß“. Das war das erste, was ich nach fünf Jahren Beziehung gesagt habe. Das war meine Antwort auf „ich will Schluss machen“. „Ich weiß“. Ich wusste es, weil ich nicht dumm bin. Wir sind beide zu vernünftig, um weiter zu machen. Weiter zu probieren. Ich will auch Schluss machen, aber ich will dich nicht los lassen. Ich habe so Angst, loszulassen. Ich weiß ja, dass du das Beste bist, was ich hatte. Was, wenn du das Beste warst, was ich haben werde? Ich hatte so schöne Illusionen der Sicherheit. Ich weiß. An meine letzten Worte vor unserer Beziehung kann ich mich nicht mehr erinnern. Oder die ersten in der Beziehung. Doch. Du hast mich gefragt, ob ich das ernst meine. Und ich habe „ja“ gesagt. Es ging so schnell. Die fünf Jahre gingen so schnell. Und ich habe angst davor, allein zu sein. Angst, ohne dich zu sein. Ich liebe dich noch immer. In einiger Zeit hoffe ich, dass wir eine enge Freundschaft haben. So wie wir sie die letzten Monate hatten. Du hast ja recht. Ich weiß. Ich weiß nur zu gut. Die Geldbörse fühlt sich falsch an, weil die Fotos nicht mehr drin sind. Ich kann sie nicht wegwerfen. Und mein Finger fühlt sich falsch an, hat einen kalten Streifen, wo der Ring war. Ich habe mir doch die letzte Zeit immer gedacht, dass so viel gepasst hat. Dass eigentlich so viel noch gepasst hat. Ich wollte nicht Ende haben. Ich wollte weiter versuchen. Es hat doch so viel noch gepasst. Es hat so viel nicht mehr gepasst. Es hat nur noch ganz wenig gepasst. Natürlich genug. Natürlich hätten wir das alles zu Tode reiten können. Was heißt zu Tode reiten… Ich sage immer, Beziehung ist gemeinsam älter werden. Wir sind gemeinsam älter geworden. Wir haben einen riesigen Teil unserer Leben gemeinsam gehabt. Und ich bin so dankbar dafür. Das wenige, das jetzt noch gepasst hat: vielleicht haben wir das noch sehr lange. Ich hoffe, wir haben das noch sehr lange. Weil wir es jetzt benennen. Weil wir jetzt aufrichtig sind, jetzt sagen, was wir uns denken. Bevor es zu spät ist. Bevor wir uns nichts mehr sagen können. Es tut so weh, aber ich weiß doch, dass es stimmt. Dass wir beide das doch erkannt haben. Und es ist so gut, dass wir es uns jetzt eingestehen. Wie viele können es sich nicht eingestehen, bis es zu spät ist. Bis nichts mehr passt. Du musst es machen, weil deine Gefühle andere sind als früher. Ich muss es machen, weil sie zu einem großen Teil noch genau so sind wie früher. Weil ich nicht allein sein will. Weil ich dich nicht loslassen kann. Weil ich Angst habe, dich los zu lassen. Weil es richtig ist. Weil das Richtige nicht immer angenehm ist.

Die nächsten Tage werden so schwer. Aber ich bin so dankbar, dass ich dich in meinem Leben habe. Dass ich dich kennen gelernt habe. Und ich bin dankbar, dass du Teil meines Lebens warst. Und ich hoffe, dass du Teil meines Lebens bleibst.

Danke.

[c] fabian bazant]
fabian bazant | gmail com



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